Das Getränk der Intellektuellen

Bereits Anfang des 17. Jahrhunderts hatte der Kaffee in englischen und französischen Salons seinen großen Auftritt. Bei gesellschaftlichen Anlässen durfte Kaffee nie fehlen. Das schwarze, duftende und wohlschmeckende Getränk wurde so populär, daß Lokale gegründet wurden, in denen sich Männer von Welt trafen, um über Literatur, Theaterinszenierungen und Politik zu diskutieren. Etwa ein Jahrhundert später erlangte diese Gewohnheit eine derartige Bedeutung, daß die Mailänder Intellektuellen wie Verri und sein Kreis ihre kritische Zeitschrift >Il Cafe´< tauften. Die Zeitung wurde in Prescia gedruckt, weil man dort der österreichischen Zensur entgehen konnte und entwickelte sich zum wahren Kampfblatt. Damit wollte man die Bevölkerung anregen und sie über die gängigen Verwaltungspraktiken und über die Politik informieren, sie über Ungerechtigkeiten und Parteieinnahmen aufklären und eine echte, bürgerliche Gesinnung heranbilden. Die Zeitung hatte großen Anteil an der Verbreitung aufklärerischen Gedankenguts in Italien. Noch heute werden in Kaffeehäusern und modernen Cafés Gedankengänge und Meinungen bei einer guten Tasse Kaffee ausgetauscht oder es wird einfach nur getratscht. Sicherlich sind die Hintergründe dieser Gespräche nicht mehr so opportunistisch wie damals, aber bestimmt auch nicht weniger wichtig.